Seit Monaten sind wir alle von der Coronapandemie betroffen. Der Inzidenzwert will und will nicht fallen, obwohl die Meisten von uns auf so viel verzichten. Uns ist bewusst,

  • dass Kinder Einschränkungen hinnehmen müssen. Sie dürfen sich in dieser Zeit nicht so entfalten, wie sie gerne möchten. Unzählige Angebote fallen für sie weg. Kinder verstehen die Pandemie als eine Bedrohung. Sie spüren die Besorgnis der Erwachsenen und vor allen Dingen - deren Hilflosigkeit. Das verunsichert die Kleinen. Umso wichtiger ist es, ihnen gegenüber Gelassenheit zu wahren. Kinder brauchen emotionale Sicherheit. Beantworten sie die Fragen ihrer Kinder nach bestem Wissen und Gewissen. Seien sie ehrlich, keinesfalls aber ängstlich oder panisch. Gute Tipps im Umgang mit Kindern finden sie hier: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/coronavirus-acht-tipps-mit-kindern-darueber-zu-sprechen/212392
  • dass Jugendliche in ihrer persönlichen Entfaltung behindert werden. Für junge Menschen, die auf eine nie dagewesene Vielfalt sozialen Erlebens reagieren müssen, sind die Einschränkungen durch die Pandemie kaum zu ertragen. Sie wollen hinaus in die Welt und sich selbst ausprobieren, Wagnisse eingehen und Erfahrungen sammeln. Und sie werden nicht nur in ihren sozialen Bedürfnissen bitter ausgebremst, auch in ihrer Ausbildung sind harte Grenzen gesetzt. Unverständlich für eine internette Jugendkultur ist die Schwerfälligkeit der Erwachsenenwelt im Umgang mit modernen Medien, deren Klaviatur Jugendliche oft bestens beherrschen. Zudem scheint die Jugend selbst durch den Virus kaum bedroht zu sein. Das macht ihnen das Verstehen umso schwerer. Deswegen brauchen junge Menschen in dieser Zeit Verständnis und genügend Raum für persönliche Gespräche. Verbote und Unverständnis ihnen gegenüber sind derzeit völlig Fehl am Platze. Und  feierwütige Jugendliche, die hochansteckend die eigene Familie ins Verderben bringen, sind nichts weiter als Schlagzeilen der Boulevardpresse. Hier sind nicht Schlagworte von Nöten, sondern Einfühlungsvermögen, Gesprächsbereitschaft, Empathie und Informationsbereitschaft.
  • dass Erwachsene diffus auf Corona reagieren. Unerklärlich erlebe ich die Querdenkerdemos, die sich einvernehmen lassen von extremistisch politischen Vorstellungen jeglicher Schattierungen. Kopfschüttelnd müssen wir geschichtsvergessenes Gerede zur Kenntnis nehmen. An dieser Stelle sich mit Naziopfern wie Anne Frank oder Sophoe Scholl zu vergleichen, macht mich wie viele andere nur noch wütend. Das Parlament anzugreifen, ist nicht hinzunehmen und muss mit allen Mitteln staatlicher Gewalt verhindert werden. Wir müssen uns dem politischen Diskurs stellen, dürfen als Christinnen und Christen dazu nicht schweigen. Wir leben in einer Demokratie, die Freiheit und Frieden konsequent umsetzt. Noch nie in der Geschichte dieses Landes hat es eine so lange Friedensperiode gegeben wie in dieser Demokratie. Die gilt es im politischen Diskurs zu verteidigen. Gleichzeitig dürfen Menschen nicht allein gelassen werden, die in nachvollziehbare wirtschaftliche Not geraten. Staatliche Hilfen reichen oft nicht aus, um einen halbwegs sogenfreien Blick in die wirtschaftliche Zukunft wagen zu können. Wir benötigen mehr Phantasie und Kreativität in der Hilfe für wirtschaftliche Coronaopfer.
  • dass Seniorinnen und Senioren sowie Vorerkrankte die Leidtragenden sind. Niemand ist so gefährdet wie diese Gruppe unter uns. Für sie ist der Rückzug aus dem Normalleben überlebensnotwendig. Sie sind von sozialer Isolation und Einsamkeit am meisten betroffen. Im Falle einer Ansteckung müssen sie Ängste ertragen, die niemand sich wirklich vorstellen mag. Darum ist für diese Personengruppe unsere Solidarität und Mitgefühl dringender nötig denn je. Junge Menschen können Betroffenen den Umgang mit modernen Medien näher bringen, damit z.B. Videotelefonie Einsamkeit verhindern kann. Der Kontakt muss aufrecht erhalten bleiben, liebevolles Interesse spürbar sein. In den Pflegeheimen und Krankenhäusern müssen Orte des sozialen Miteinanders  geschaffen werden. Wir benötigen ein Überdenken unserer Wichtigkeiten,  damit auch wir im Alter nicht Opfer wirtschaftlicher Zukunftsinteressen werden.

Wir bitten, diese Bemerkungen als Gedanken- und Gesprächsanregungen zu verstehen.

Verantwortlich: Jochen Bunte