Gemeinsame Zukunft Altenhagen

Erstellt am 04.06.2014

In den evangelischen Gemeinden in Bielefeld ist viel in Bewegung: Altgediente Pfarrer gehen, und bleiben ohne Nachfolger – schlicht, weil es kaum junge PfarrerInnen gibt. Und große kirchliche Gebäude werden geschlossen – weil sie trotz guter Steuereinnahmen kaum mehr bezahlbar sind. Die Veränderungen treffen direkt und indirekt auch die Kirchengemeinde Milse. In gut besuchten Fragerunden am 27.2 und 10.2 wurde das Bild recht klar „wohin die Reise geht“ – wie Pfarrer Wagner sich ausdrückte. Die wichtigsten Fragen und Antworten hier im Überblick:

 

Was genau wird an der Kafkastraße gebaut?

Am 30. Januar hatte die Stadt Bielefeld eine Anhörung zur Bebauungsplanänderung in den Räumen des Gemeindehauses veranstaltet, daher in diesem Gemeindebrief: Was wird zwischen Kanzelstraße und Studiostraße gebaut? Wer sich für so was interessiert, lese weiter, wer nicht, blättere zu einem schönen Artikel dieses Gemeindebriefes!Um mal im Norden zu beginnen: Klar ist, dass der Fußweg zwischen Kafka- straße und Kanzelstraße nicht nur erhalten, sondern auch ansehnlich gemacht und beleuchtet werden wird. Damit alle des Tags und des Abends die Bushaltestelle erreichen. Ob ein kurzes Teilstück dieses Weges von Süden aus auch zu- sätzlich befahrbar sein wird, hängt an Details des Bebauungsplanes dort.Der Weg geht in Eigentum der Stadt Bielefeld über.Die vielen Voten auf der Versammlung am 30.01. haben klarge- macht: Alle sind bemüht, etwas mehr Parkplätze als bisher in den Grundzeichnungen eingetragen vorzusehen, sowohl für die MieterInnen der entstehenden Wohnungen als auch für BesucherInnen von Veranstaltungen im kleinen Zentrumsraum.Nun zum eigentlichen Hauptgelände, da wo bisher Kirchraum und Gemeinderäume und Küsterwohnungen stehen. Ganz klar ist nur, dass der Turm stehen bleibt. Klar ist auch, dass es den Zentrumsraum am Kirchturm geben wird – zu Größe und Ausrichtung siehe unten.Offen ist, wie die Wohnblöcke liegen: Entweder in zwei Riegel parallel zu den Straßen (I.), mit dem Vorteil, dass der Zentrumsraum am Einfachsten einen Innenhof nur für sich gewinnt. Oder in zwei „L-Formen“ (II.), mit dem Vorteil, dass ein großer Innenhof für das Quartier und mehr Wohnungen entstehen. Die Stadt entscheidet über die Varianten.Als am 30.1. jemand fragte, wieso es auch Variante II gäbe, war die Antwort redlich: „Wir, die Stadt, haben die eingebracht. Weil wir Wohnungen brauchen. Und Treffpunkte im Quartier für alle gut sind!“Redlich, obwohl auch die Verletzungen und Enttäuschungen sofort im Raume spürbar waren, auch die städtische Antwort auf die Frage, ob der Zentrumsraum nicht größer sein müsse: „Das ist Sache von Kirchengemeinde und Kirchenkreis, die Stadt genehmigt, was die an Größe wollen und finanzieren können.“ Und völlig zu Recht hat die Stadt Bielefeld dieses Thema auf ihrem Anhörungstermin dann nicht weiter erörtert.Aber erlauben Sie mir als Vorsitzender des Bevollmäch- tigenausschusses ein Wort dazu: Geplant war im allerersten Beschluss über die Machbarkeitsstudie vor bereits 3 (in Worten: drei) Jahren 119,5 umbaute Quadratmeter, das macht 72,5 m2 Gruppenraum plus Küche. Seit der Finanzsynode Herbst 2019 wissen wir von den erheblichen kommenden Finanzkürzungen und können den Investor Kirchenkreis trotzdem weiterhin bitten zu bauen: 119,5 umbaute Quadratmeter, das macht 72,5 m2 Gruppenraum. Das können wir auch halten, sogar in 10 Jahren noch. Das mag Menschen immer noch enttäuschen, das versuche ich nachzuvollziehen, daraus kann man aber was machen.Deshalb eine gute Idee, die mir am Ende der Veranstaltung zugetragen wurde. Wenn der Bebauungsplan klarer ist, man also weiß ob I oder II, lädt tatsächlich dann die Kirchengemeinde zu Gesprächen ein: Wie kann der Zentrumsraum dann angepasst werden? Wie gesagt, nicht in seiner Größe, sondern in der Aus- richtung (doch dann zum Innenhof?) und in seiner Zugangsrichtung. Und: Was werden das für Neubauwohnungen und für wen könnte das interessant werden? Gerade wo ich von Menschen höre, deren Einfamilienhäuser zu mühsam werden. (G.W.)

Was passiert grundsätzlich mit Gebäuden und Grundstücken?  

Im Januar 2021 werden Altenhagen und Milse fusionieren. Und damit gehört „mit einem Schlag allen alles“, wie es Pfr. Dr. Wagner spitz formulierte. Das lässt sich genauer be- schreiben. Wer sich für solche Art diffiziler Fragen interes- siert, lese den zweiten Artikel „Was wird mit ...“. Wen das nervt, blättere zu schönen Artikeln dieses Gemeindebriefes weiter. Zuerst zu Milse. Die Kirchengemeinde Milse hat Besitz und Eigentum des Kirchgrundstückes am Gemeindeweg. Darauf betreibt die Wohnungswirtschaft des Kirchenkreises Biele- feld (KWW) das gesamte Gebäude, und die Kirchengemein- de tritt seit 2016 als eine Art „Mieterin“ ihrer kirchlich ge- nutzen Teile auf. Zusammen mit anderen Pachteinnahmen ist der reine Gebäudebetrieb in Milse damit fast plus minus null. Dieses Prinzip gilt inzwischen in Bielefeld als das einzig zukunftsfähige Modell! All das wird dann natürlich gemein- sam sein. Zu Altenhagen hört’s sich etwas komplizierter an, kommt aber am Ende auf’s Gleiche raus. Bereits ab 1.7.2020 ist die Kirchengemeinde Altenhagen nur noch Eigentümerin des großen Kirchgrundstückes zwischen Kanzelstraße und Stu- diostraße. Denn das Areal wird zum Juli für 99 Jahre an die- se Wohnungswirtschaft des Kirchenkreises (KWW) per Erb- pacht vergeben werden, und der Kirchenkreis hat als dann alleiniger Besitzer alles Risiko (den gesamten Abriss, mögli- che Probleme und Pflege und Sicherung Grundstück), aber auch alle Chancen. Wenn der Pächter alles bis auf den Turm entfernt hat und eines Tages die Bebauung stehen hat, passieren zwei Dinge: Die Fusionsgemeinde tritt als echte „Mieterin“ ihres chicken Zentrumsraumes auf (insgesamt 119,5qm; Gruppenraum- größe 72,5qm), mit entsprechender Miete an die KWW. Zwei- tens fließt aber fairerweise voller Pachtzins für das Ganze von dem Pächter KWW an diese Fusionsgemeinde. Das wird genau plus minus null ausgehen, auch hier ist die Zukunfts- sicherheit gebucht. Das ist dann auch gemeinsames Anlie- gen und gemeinsame Chance, diesen Raum mit Leben zu füllen! Eine Besonderheit in Altenhagen: Es gibt dort eine Rücklage, die für den Erhalt der großen Kirche in Altenhagen gedacht war. Da steckt viel Vertrauen und Geld von Kirchgeldspender- Innen. Seit nun bereits mehreren Jahren klar: Dieses Ziel ist nicht haltbar. Um dem Ursprungszweck so gut es geht Rech- nung zu tragen, wird dieses Geld „eingefroren“, und diese eine Rücklage geht nicht „in das Gemeinsame“ ein. Sondern das Geld wird nur für die Inneneinrichtung und qualitätsvol- le Gestaltung, mitsamt Mobiliar, der kirchlichen Präsenz in Altenhagen bestimmt. Zuletzt: Pfarrhäuser. Das Altenhagener Pfarrhaus geht nicht in die Pacht ein, sondern Grundstück und Haus müssen zum Verkauf vorbereitet werden, das kann aber etwas dau- ern ... (Infos: kww-bielefeld.de). Mit jedem Euro der Zinsen des Kaufpreises darf die Fusionsgemeinde schöne Dinge machen. Das Pfarrhaus Milse bleibt in der Hand der Fusi- onsgemeinde, trotz ortsüblicher Miete sieht die Gemeinde davon aber keinen Cent – so die westfälische Regelung. Als Nachsatz: Der Trauer um alte Größe und angebliche Herrlichkeit früherer Tage noch ein bischen Raum geben! Den Ideen für Neues und Lust auf gemeinsame Stärke die Tür weit öffnen!! 

Was bedeutet das für die Hauptamtlich Mitarbeitenden?

Hier Detailantworten zu: Personal. Das sind alle Frauen und Männer, die Arbeitsverträge mit der Kirche haben. Wenn man umsichtig zählt, sind das immerhin 10 Personen, die gegen Lohn und Brot für die Menschen in Altenhagen/Milse arbeiten: Im Büro, mit Musik, beim Reinigen und Küstern, mit Jugendlichen oder im Talar (Die MitarbeiterInnen des Ev. Kindergartens Milse werden anders geführt und nicht mitgezählt). Im Namen der Gemeindeleitungen vorneweg: Alle machen ihre jeweilige Arbeit zuverlässig, professionell und gerne. Danke denen!
Deshalb die gute Nachricht dieses Detailberichtes, bereits allen Mitarbeitenden mitgeteilt: Trotz Veränderung wird kein Arbeitsvertrag wegen Fusion oder Gebäudeveränderung gekündigt oder gekürzt. Gucken wir genau hin:
Eine große Last der Veränderungen tragen die beiden Posaunenchöre in CVJM-Hand. Deren beiden Chorleitungen haben ihre Arbeitsverträge mit den Kirchengemeinden und werden von den Kirchengemeinden finanziert. Die Lösung ist klar: Die beiden Chöre werden irgendwann im Sommer 2020 zusammen gehen, dann durchgängig in Milse proben und von Frau Künsting aus Altenhagen qualitätsvoll geleitet. Für sie ändert sich also nur die Arbeitsbeschreibung. Man bereitet sich schon darauf vor, dem bisherigen Leiter aus Milse, Herrn Meyer, das große Dankfest für unzählbar viel Chorleitung in Milse zu bereiten (Mehr Lob, wenn es soweit ist …). Er steht aber weiterhin als Hilfe zur Verfügung.
Veränderungen anderer Art werden entstehen, wenn Ende des Jahres 2019 „ein/e MitarbeiterIn für Seniorenarbeit“ das Team ergänzen wird. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses war klar: Es liegen 15 gute Bewerbungen auf die Stelle vor. Von Männern und Frauen. Die Delegierten aus Altenhagen/Brake/Milse wählen nun aus und der Kirchenkreis stellt ein. Darin liegt viel Lust, mal was Neues auszuprobieren.
Alle anderen Mitarbeitenden müssen sich teilweise mit Veränderungen des Arbeitsortes arrangieren (z.B. Verlegung des Gemeindebüros nach Brake – Milse hat ja auch keinen eigenen Bürostandort), darauf beschränken sich aber die Veränderungen. Schließlich noch ein Name: Gebäudeveränderung und Fusion binden Kraft von Dr. Wagner in Altenhagen. Deshalb wird seine Arbeit in Milse dort mit einem Arbeitsanteil von Herrn Pfr. Wiegmann unterstützt. Pfarrer Wiegmann wird am 2. Februar 2020 in Milse ordiniert werden. Er soll einen tollen Start seiner Arbeitsbiographie in dieser Kirche erleben!
Abschließend: Soviel Personal können wir uns nur leisten, weil Menschen in Altenhagen/Milse viel Kirchensteuer bezahlt haben und viel Kirchensteuer bezahlen. Das vergesse man nicht. Dank mal ausdrücklich in diese Richtung!

 

Wann geht der Altenhagener Pfarrer in den Ruhestand?

Pfarrer Schneider ist am 30.6.2019 um 14:00 Uhr in einem Gottesdienst verabschiedet worden.

Wer beerdigt jetzt die Toten und begleitet die Trauernden?

Pfarrer Wagner. Für Altenhagen und Milse. Das ist schaffbar, wenn alle Gemeindearbeit im Team „SozialarbeiterIn plus Pfarrer“ (Fachbegriff: Interprofessionelles Team) geleistet wird.

Tritt dann also eine SozialarbeiterIn die Nachfolge von Schneider an? 

Nein. Es gibt überhaupt keinen „Nachfolger“ im alten Zuschnitt für Schneider. Denn die Gemeindegliederzahl in Bielefeld ist gerade auf 3000 pro PfarrerIn erhöht worden. Deshalb: SozialarbeiterIn zusammen mit Pfarrer Wagner kümmern sich um beide Gemeinden – mit verteilten Aufgaben. Das Geld dafür ist zugesagt, eine MitarbeiterIn muss man noch finden, hoffentlich passgenau zum Herbst 2019.

Was hat es mit dem „Interprofessionellen Team“ auf sich?

Das bedeutet, dass die westfälische Landeskirche 9 besonderen „Projektgemeinden“ ermöglicht, auch mit einer SozialarbeiterIn mit dem Umfang von einer halben Stelle ein Team zu bilden. In unserem Falle mit Schwerpunkt auf Menschen im Alter.

Wohin (dann) am Sonntag zum Gottesdienst?

Für Altenhagen und Milse gilt: Nach Milse. Bis zum Gebäudeabriss AH gibt’s aber einmal im Monat Gottesdienst in AH. An jenen Sonntagen bleibt die Kirche Milse zu.

Gibt’s dann weiterhin einen Gemeindebrief Altenhagen und einen Milser?

Nein, das ist weder sinnvoll noch schaffbar. Wir rechnen damit, zum 1.3.2020 zwei getrennte „Abschiedsausgaben“ auszuliefern. Danach kommen gemeinsame Ausgaben in alle Briefkästen in Altenhagen und Milse.

Wann wir die Kirche Altenhagen abgerissen?

Am 7.6.2020 (man achte auf das Jahr: 2020) wird die Kirche Altenhagen entwidmet, alle Wohnungen und Räume geleert und anschließend fast alle Gebäudeteile abgerissen. Der Turm bleibt als Zeichen stehen und wird hinterher integriert. Der Abriss wird ein „schwerer Augenblick“ für alle. Aber auch die Chance für Neues.

Was wird dann an die Kanzelstraße hingebaut?

Wohnbebauung! Und ein einzelner sogenannter „Zentrumsraum“ für mittelgroße Gemeindegruppen. An den Turm angelehnt: 84 m2 plus abgetrennter Küche. Das ist wenig, und ohne Zweifel keine „Kirche“ mehr. Aber dieser Raum wird neue Möglichkeiten haben.

Wann ist evangelische Gemeinde dann wieder in Altenhagen präsent? 

Anfang 2024. Zusammen mit dem Einzug der Mieter der Wohnungen.

 

Braucht man Milse, um den Neubau zu finanzieren? Oder fließt Geld des Fördervereins Milse dahin?

Nein. Restbetrieb, Abriss und Neubau sind selbstständig durchfinanziert.

Fusionieren die Kirchengemeinden Altenhagen und Milse dann irgendwann?

Ja. Im Jahr 2021 (man achte auf das Jahr: 2021), also nach dem Abriss der Kirche Altenhagen. Dann werden beide eine vollständige Haftungs- und Finanzgemeinschaft bilden, also „eine“ Kirchengemeinde mit „einem“ Haushalt. Aber in vielen Dingen gehören sie schon jetzt zusammen.

Kann man das ganze Schöne nicht machen, ohne zu fusionieren?

Nein, ohne Fusion in mittlerer Entfernung geht das nicht. Durch ein gemeinsames Team und das Angewiesensein in Raumfragen ist man irgendwann so verbunden, dann gehört auch ein gemeinsames Presbyterium da hin.

Kommt Kirche dann finanziell ohne (Altenhagener) Kirchgeld und ohne (Milser) Förderverein aus?

Nein, ohne die bisherigen Spenden an Kirchgeld und Förderverein kein Auskommen. Selbst nach der Fusion wird nämlich auch der Förderverein für die alltägliche Arbeit gebraucht werden – obwohl das alte Gebäude Altenhagen weg ist und kein Gemeindegeld in Neubau fließen wird. Dafür wird man bis 2021 überzeugende Lösungen finden.

Wann ist  der ganze Prozess dann mal fertig?

Anfang 2024, dann haben sich die Raumverteilungen gefunden. Und wahrscheinlich die nächste Entwicklungsaufgabe …