Im Falle des Todes

Erstellt am 28.11.2015

Erlauben Sie mir als Pfarrer der Kirchengemeinde Milse einmal ein offenes Wort – über Beerdigungen:
Grundsätzlich gilt: Die Angehörigen (manchmal auf Wunsch der Verstorbenen) legen fest, welche Form der Bestattung sie passend finden. Da sind ja viele Fragen zu klären: Ob mit Sarg oder Urne. In einer Stele, Einzelgrab, ... . Ob auf einem Friedhof, oder z.B. einem Friedwald. Oder gar Seebestattung? Mitsamt Kondulieren am Grab oder ohne ... Ich begrüße die Vielfalt, die es inzwischen gibt. Und ich verstehe meinen Beruf insbesondere hier als Dienst an den Verstorbenen und Trauernden und versuche in dem von den Menschen gewählten Rahmen das Wort der Tröstung einzubringen. Irgendwelche Geschmacksvorstellungen des Ortsgeistlichen spielen in Milse da keine Rolle – das hat sich wahrscheinlich inzwischen herum gesprochen.
Herum gesprochen hat sich wohl auch, dass ich an Montagen keine Beerdigungen durchführe – das „Einen- Tag-Mal-Durchatmen-Können“ ist in meinem Beruf, der eng mit dem Leben und vielen Veränderungen in Kontakt ist, wichtig. Und ich werbe sehr um Verständnis für diese uralte Regel (früher: „Pfarrer-Sonntag“), die es bestimmt auch heutzutage manches Mal für Angehörige nicht einfach zu organisieren macht. Das kann ich auch gut nachfühlen.
Manchmal werde ich auch gefragt: „Kann man jetzt nach dem Umbau eigentlich auch in der Kirche Milse Beerdigung feiern?“ Die Antwort ist klar. Jede Christin, jeder Christ, der das wünscht, kann die Ev. Kirche Milse für eine Trauerfeier anmieten. Gerade im Mittagsbereich gibt es da wenig Terminkollisionen. Der Erfahrungswert hat aber gezeigt, dass das nur bei „Abschieden am Sarg“ oder „Abschied an der Urne“ stilvoll ist – also nur wenn man nicht danach mit allen Gästen zusammen noch auf den Friedhof will. Natürlich sind die musikalischen Möglichkeiten mit der Führer-Orgel und dem neuen Flügel besser als in mancher Trauerhalle. Die Miete übrigens beträgt ungefähr die Höhe einer städtischen Trauerhalle eines Friedhofes. Die erste Anfrage „Geht es an jenem Termin?“ und die Abrechnung erfolgen – wie bei städtischen Hallen auch – über die professionellen Bestatter.
Beerdigungskaffee bietet die Kirchengemeinde Milse nicht an, mir sind in Stadtteil und Umgebung mindestens 5 privatwirtschaftliche Lokale und 2 Kirchengemeinden bekannt, die das gut und würdig machen.
Zuletzt: Manchmal werde ich zu Sterbenden gebeten; für einen letzten Segen; für ein langes Wachen; für ein Begleiten. Ich finde das wichtig, richtig und unaufschiebbar, dafür kam es auf Nachtstunden (oder Montage) dann auch noch nie an. Lassen Sie mich das mit einer Geschichte aus den Anfangstagen der Christenheit begründen. Da wurde ein Berichterstatter vom heidnischen Kaiser in Rom nach Kleinasien geschickt, um rauszukriegen, wieso diese „Christen“ soviel Zulauf haben. Seine Antwort: Diese Christen ernähren die Witwen und bestatten ihre Toten in Würde.
                                      Ihr Pfarrer Dr. Wagner